Artikel in der Frankfurter Neuen Presse zum Thema Dioxin

08.01.2011 Kategorie: Huhn & Ei

Frankfurter Neue Presse, 08.01.2011

Margarethenhof

Warum das Wetterauer Ei sicher ist

Margarethenhof von Bauer Kliem in Karben produziert Futter selbst – wegen Dioxin-Skandal Sorge vor Umsatzrückgang

Karben. Für Unruhe sorgt der Dioxin-Skandal bei den Verbrauchern in der Wetterau. Dabei können sie auf sichere Eier vertrauen – von örtlichen Landwirten. Der größte, Bauer Kliem in Kloppenheim, setzt dafür seit Jahren auf selbst erzeugtes Futter.

Von Dennis Pfeiffer-Goldmann

Zehn Eier Größe L haben Dieter Wichert und seine Frau in ihrer Einkaufstasche stecken, als sie den Hofladen des Margarethenhofs verlassen. Ein Einkauf mit gutem Gewissen? »Auf jeden Fall. Dafür fahren wir extra aus Frankfurt-Bornheim hierher.« Denn bei Bauer Kliem bekommen sie Eier, die nicht mit Dioxin oder anderem verseucht sein können. Dafür braucht er keine Bio-Produktion, sondern er arbeitet konventionell – aber eben sauber und korrekt.

40 000 bis 50 000 Eier legen die 62 000 Hennen von Bauer Kliem jeden Tag – und decken damit doch nur zwei Prozent des täglichen Bedarfs im Rhein-Main-Gebiet. Trotz der Größe haben die Kliems bereits vor mehr als 15 Jahren umgesteuert: Seitdem erzeugen sie ihr eigenes Hühnerfutter aus Getreide. »Das ist Konsumware, wie sie auch in die Mühle geht«, berichtet Seniorchef Karl August Kliem.

Jede Lieferung kontrolliert

Hinzu mischt der Betrieb noch eine Mischung aus gentechnikfreiem Sojaschrot und Mineralstoffen. Lieferant ist Raiffeisen. Jede Lieferung werde kontrolliert, berichtet Kliem. Zum Beweis zieht er im Büro den Ordner mit den Laborergebnissen hervor. Zwar ist das Selbstmischen aufwendiger. »Aber uns ist seit Jahren einfach das Risiko zu groß.« Einen Skandal, wie ihn tausende bäuerliche Betriebe derzeit bundesweit erleben, kann sich die Kliem nicht leisten. »Ein solcher Fehler wäre doch tödlich für uns.« Also gehen die Kliems kein Risiko ein.

Das hat Folgen: Der Margarethenhof muss mehr Aufwand und Geld in die Futterproduktion stecken. Das macht sich – wenn auch minimal – in den Eierpreisen bemerkbar. Dafür können sich die Kunden darauf verlassen, nur »saubere« Eier zu kaufen.

Ärger über Panscher

Für die Verantwortlichen des Dioxin-Skandals in Norddeutschland hat Karl August Kliem kein Verständnis. »Ein Versehen kann ich mir nicht vorstellen, diese Leute gehören hinter Schloss und Riegel.« Wenngleich er die Situation nachvollziehen kann: Binnen eines Jahres hätten sich die Futtermittelpreise verdoppelt, die Verkaufspreise für die Eier aber seien gleich geblieben. So laste auf den Futtermittel-Produzenten starker Kostendruck. »Da wird dann natürlich nach allen Möglichkeiten gesucht, das Futter mit Billigkomponenten noch billiger zu machen«, sagt der Seniorchef.

Selbst wenn seine Eier vom Dioxin-Skandal nicht betroffen sein können, ja, wenn Legehennen in Hessen gar nicht betroffen sind, befürchtet Kliem dennoch Umsatzeinbußen. Deshalb hat Sohn Karl Wilhelm gerade gestern ein Info-Schreiben an alle größeren Kunden versendet, indem er erklärt, warum Kliems Eier ungefährlich sind.

Denn gut möglich sei, dass nun viele Konsumenten einfach weniger Eier äßen – was mit der ganzen Branche dann auch die Kloppenheimer betreffe. Weniger Umsatz brächte Kliem neue Sorgen: Er hat in den vergangenen zwei Jahren 2,5 Millionen Euro für neue Ställe investiert, weil die deutschen Behörden strengere Vorgaben machten: Volièren statt Ställe (die FNP berichtete). Da darüber viele kleine Betriebe hierzulande aufgaben, werden nun wesentlich mehr Eier aus Osteuropa nach Deutschland importiert.

Eine Hoffnung hat Landwirt Kliem noch: Viele Kunden kauften inzwischen sämtliche ihrer Eier bei ihm – während sie bislang noch für Kuchen und ähnliches billigere Eier vom Discounter zukauften.

So etwas kommt für Dieter Wichert und seine Frau nicht infrage. »Wir kaufen alle unsere Eier hier«, sagt der Bornheimer in der Tür des Hofladens. »Wir wollen sie mit einem guten Gefühl essen können.«